Fremdenfreundlichkeit

hnaumann-861x1024Wie soll man nur die Eindrücke, die Klänge, die Bilder – diese unendlich vielen Begegnungen, Gespräche, das Lachen, das gemeinsame Singen – Wie soll man all das festhalten, möglichst für immer? Die vielen Details, die das große Ganze so lebendig und farbig machen. Fotos helfen vielleicht, inzwischen sind es fünftausend (…). Ansonsten muss man sich Wohl oder Übel darauf verlassen, dass einen die grauen Erinnerungszellen nicht zu früh im Stich lassen.

Das Musik-Projekt in der Jeypore-Kirche ist nun beendet. Die letzten Tage in Littiguda, Koraput und Jeypore waren angefüllt mit vielen herzlichen Abschieden. IMG_2041Manche waren eher offiziell, andere sehr persönlich. Zum offiziellen
Farewell, veranstaltet vom Bischof und den sogenannten Office Bearers gab es Grußworte, Bibelworte, nette Geschenke und Fremdenfreundlichkeit weiterlesen

Christo bolimeso mit Bischof

hnaumann-861x1024Eine kleine Dorfkirche, üppig dekoriert. Weihnachten liegt noch nicht lange zurück. Alles ist nett und – man staune! – sauber. Vorn im Altarbereich hängen gleich zwei große Banner mit der Aufschrift „Liturgy Workshop“. Wir sind in Littiguda, einem kleinen Dorf in den Bergen, das je zur Hälfte von Adivasi und Dalit bewohnt wird.

Dinesh Chand, der sehr umtriebige Pastor in dieser Gemeinde, hat seit Jahren eine gut funktionierende Gemeindearbeit aufgebaut. Das ganze Dorf ist an den vielen Projekten beteiligt, die er hier ins Leben gerufen hat. IMG_2294Es gibt eine regelmäßige Müllbeseitigung, es gibt Strom, es gibt ein Wiederaufforstungsprogramm mit 5000 geschützten Bäumen, es gibt ein schönes Gästehaus, es gibt eine Schule, die mit einigem Aufwand erhalten und nun vergrößert werden kann, es gibt: das Dorf (!), denn der Plan von Regierung und Privatwirtschaft, das Tal für einen Staudamm zu fluten, konnte abgeblockt werden. Und es gibt in diesem Dorf eine aktive Jugendarbeit, die sich beim Umweltschutz engagiert und obendrein Christo bolimeso mit Bischof weiterlesen

Auf Shoppingtour

hnaumann-861x1024Die Strecke, erst zwei Stunden durchs Gebirge und dann nochmal zweieinhalb Stunden über flaches Land bis zur Hafenstadt Visakhapatnam (kurz: Vizag), kennen wir mittlerweile in- und auswendig. Es geht durch grandiose Landschaften, aber auch teilweise über Stock und Stein. Dass die Straße ein „National Highway“ ist, sollte nicht auf einen besonders guten Straßenzustand schließen lassen, wenngleich einige Abschnitte in den letzten Jahren tatsächlich erneuert worden sind und man die Fahrt mittlerweile ohne größere Rücken-Blessuren überstehen kann.

Die Farben der Landschaft haben sich innerhalb der zurückliegenden fünf Monate IMG_1238verändert. War im September während des Monsuns noch alles saftig grün vom vielen Regen, blichen die Farben ab Mitte Oktober langsam aus und veränderten sich zum Jahresende in Richtung gelbbraun, denn das Land trocknet nun zunehmend aus.

Vor drei Tagen nun machten wir unseren letzten von etlichen Ausflügen nach Auf Shoppingtour weiterlesen

Hihihi – that’s India

hnaumann-861x1024Es ist Sonntag 10 Uhr morgens. Der Gottesdienst beginnt in eine halben Stunde. Wir sitzen pünktlich (die Deutschen mal wieder…) auf unseren Plastikstühlen und warten in der kleinen Dorfkiche, was passiert. Unser Blick schweift zu den Luftballon-Gebilden IMG_1633und anderen Dekos, die noch von Weihnachten herrühren. Gestern Abend zur Chorprobe war die Begeisterung groß, als wir miteinander vereinbarten, heute im Gottesdienst drei Lieder zu singen. Es wurde in den Melodien geschwelgt und die Vorfreue auf heute war spürbar. Schließlich die dringende Bitte von den Chorleuten, unbedingt vor dem Auftritt noch eine kurze Affrischungsprobe zu machen: 10 Uhr pünktlich, diesmal nicht „indian time“, sondern „on time“ – treuherzige und wild entschlossene Vereinbarung. „Good night, see you tommorrow at 10 clock!“.

Wir sitzen hier und – nichts passiert. Zwei Leute von insgesamt 20 kommen kurz Hihihi – that’s India weiterlesen

Tigotschi

hnaumann-861x1024Hela? Tigotschi! – Alles klar? Okay! – Ein kleiner Einblick in unseren immer noch recht ärmlichen Oriya-Wortschatz. Ein paar Vokabeln dieser Sprache sind allerdings in unserer neuen Umgebung sehr wichtig, denn Englisch können nur die allerwenigsten Leute hier.

IMG_1542Wir sind in Doliambo, einem kleinen Dorf im Adivasigebiet, 10 Kilometer entfernt von der nächst größeren Stadt Semilighuda. Seit knapp einer Woche gehen wir jeden Tag in das kleine, frisch renovierte Kirchlein, um mit den vielen Interessierten Musik zu machen. Diese kommen nicht nur aus dem Ort Doliambo, in dem es auch eine Jungen- und eine Mädchenschue für die gesamte Umgebung gibt, sondern auch aus Nachbarorten mit so klangvollen Namen wie Sunabeda, Gotiguda, Jadaguda, Charangul oder Gundula. Die ländliche Ruhe hier in den Bergen ist Tigotschi weiterlesen

Hallo – Hallo – Check – Check

hnaumann-861x1024Weihnachten in Indien ist anders und speziell. – Das war uns immerwieder vorher gesagt worden. Nun, Weihnachten wäre nicht das Einzige, was hier anders ist, anders abläuft, anders behandelt wird und anders aussieht, als bei uns in Deutschland. Aus den zahlreichen schönen und auch seltsamen Erlebnissen zwischen Weihnachten und Neujahr, die den oben genannten Satz untermauern, möchte ich ein spezielles Event ein bisschen näher beschreiben.

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Siegerchor aus Littiguda

„Christmas Carols“ ist ein Chorwettbewerb, bei dem Chöre aus unterschiedlichen Gemeinden mitmachen. Die Veranstaltung hat eine lange Tradition und findet jedes Jahr zwischen Weihnachten und Neujahr an einem anderen Ort der Landeskirche statt, diesmal in Damanjodi am 27.12.

Im Vorfeld wurde ein Brief verschickt, in dem das Thema „Righteousness, Peace and Joy“ und die Kriterien Hallo – Hallo – Check – Check weiterlesen

Gesichter Indiens

hnaumann-861x1024Dieses Land hat viele Gesichter. Tatsächlich – immerhin leben nach aktuellen Zahlen ungefähr 1,3 Milliarden Menschen in Indien (sechzehn mal die Bevölkerung Deutschlands) und im übertragenen Sinne: Nahezu alle Religionen und eine Vielzahl von Kulturen und Sprachen umschließt dieses Land. Selbst in diesem relativ kleinen Ausschnitt Indiens, den wir hier eine Zeitlang erleben dürfen, gibt es so viele Facetten, unterschiedliche Traditionen, Sprachen und Werte. Das Kastensystem ist – wenngleich offiziell abgeschafft – allgegenwärtig. Zu den christlichen Gemeinschaften hier in Orissa gehören im wesentlichen Dalit und Adivasi. IMG_0287Letztere sind die Ureinwohner Indiens, die in vielen Regionen Indiens in meist abgelegenen Dörfern leben. Die verschiedenen Stämme der Adivasi zählen in Indien offiziell als eine schützenswerte Minderheit, woraus sich sogar einige Privilegien ergeben, wie zum Beispiel Landbesitz oder auch bestimmte Quotenregelungen bei Ausbildungsplätzen. Die Realität sieht allerdings oft ganz anders aus. Große Teile ursprünglicher Adivasigebiete Gesichter Indiens weiterlesen

Studieren in Gopalpur

hnaumann-861x1024Das ist schon ein sehr spezielles College, das OCTC hier in Gopalpur on Sea. Zur Zeit studieren hier 23 Studenten aus vier Jahrgangsstufen. Das College ist ökumenisch. Das bedeutet hier, dass es von mehreren evangelischen Kirchen getragen wird, wobei die Jeypore-Kirche (JELC) die unseres Wissens einzige finanzielle Unterstützerin der Ausbildungsstätte ist und auch die allermeisten Studenten dorthin entsendet.

Nicht nur für uns waren die Arbeits- und Lebensbedingungen in diesen zwei Wochen hier IMG_9899sehr speziell, auch der Studienalltag für die Studenten ist nach unserem Eindruck, sagen wir mal: ungewöhnlich. Die verschiedenen Seminare und Vorlesungen in insgesamt 24 Fächern werden hauptsächlich von einer einzigen Person unterrichtet. Dieser Dozent ist seit etwa 15 Jahren im OCTC beschäftigt und wird Studieren in Gopalpur weiterlesen

Naumann sucht den Superstar

hnaumann-861x1024„Tomorrow is a youth-event in Berhampur. Please cancel the music classes and come there!“ – Ich ahnte schon soetwas, als das Handy am Donnerstagabend klingelte und der Principle, der Leiter des Colleges am Telefon war. Also hieß es mal wieder: flexibel sein. Der Unterricht würde nicht stattfinden, selbst wenn ich die Einladung nach Berhampur ausschlüge, denn die Studenten würden auf jeden Fall fahren.

IMG_9981In Berhampur versammelten sich etliche junge Leute aus der Region zu diesem Treffen in der Baptistenkirche. Ein bunt zusammengewürfeltes Programm begann. Selbstverständlich mussten wir als ausländische Gäste vorn in einer Art Komitee Platz nehmen. Es gab diverse offizielle Begrüßungen und viele weitere Freundlichkeiten. Gruppenspiele mit Luftballon-Türmen wechselten sich ab mit Powerpoint-Präsentationen über diverse Jugendaktivitäten. Zwischendurch ein stetes Kommen und Gehen. Am Nachmittag dann schließlich der vorläufige Höhepunkt des Tages: Ein Liederwettbewerb.

Gerade hatten wir uns in eine der hinteren Kirchenbänke zurückgezogen, Naumann sucht den Superstar weiterlesen

Verschiedenes Blau

hnaumann-861x1024Gopalpur on Sea – so der komplette Name unseres aktuellen Aufenthaltsortes. „On Sea“, das ist sehr angenehm, denn vom Theologischen College OCTC, in dem wir hier leben und arbeiten, ist es ein etwa 25minütiger Fußweg zum Meer. Zwischen den Workshopzeiten IMG_9890nutzen wir oft die Gelegenheit, um in das unschuldige blaue Meer zu schauen und die zeitlose Gelassenheit der Wellen zu beobachten, die für diesen Moment allen Schmutz und das Chaos dieses Landes abzuwaschen scheinen. Auf dem Rückweg Verschiedenes Blau weiterlesen